Sie stehen in der gesamten Schwäbisch Haller Altstadt. Dort lehnen zwei bunte Figuren am Grasmarkt an einem Bäumchen, ein paar Meter weiter schreiten zwei dunkel gekleidete Gestalten mit Schirm über die Straße. "Hallia Venezia" bringt ein besonderes Flair in die alte Reichsstadt.
Unter den Masken kommt kein Laut hervor. Wie Geister huschen die Verkleideten durch die Haller Gassen, wo nun Stille herrscht. Nur kurz wird diese unterbrochen, wenn ein Bus über die Henkersbrücke rauscht oder einer der Akteure auf eine Trommel schlägt.
Jede Menge Besucher stehen nachmittags eng gedrängt auf dem Marktplatz und können die Augen nur schwer von den phantastischen Verkleidungen lösen, die da auf der Großen Treppe von Sankt Michael präsentiert werden. Hände mit Stäben schwingen durch die Luft, dunkle Schirme verhüllen einige Gestalten noch zusätzlich. Violinen- und Flötenklänge durchbrechen die Stille, dezent begleitet vom Zupfen eines Cembalos.
Während sich der Großteil der Gruppe auf der Treppe anmutig wie der bunte Hofstaat im Königspalast eines Phantasiereiches tummelt, steht ein Paar - in grün gekleidet - ganz ruhig an der Brüstung hoch über dem Marktplatz. Und fast scheint es so, als seien es die beiden Figuren, die gekommen sind, um die Menge zu sehen - als dass es andersherum wäre. Wie aus einer anderen Welt wirken die Masken, welche die Gesichter der Akteure verbergen.
Auf junge Besucher haben die Phantasiewesen eine ganz unterschiedliche Wirkung: Neugier und Furcht liegen eng beieinander.